Verkündigung

Spirituelles


Chorraum

 

Was kann ich Dir geben

Wie reich Du mich machst, Vater,

was kann ich Dir geben?

Jeden Abend stehe ich mit leeren Händen vor Dir.

Manches Mal gelingt mir ein wenig Liebe,

manches Mal gelingt mir ein ganzer Tag.

Vater, das ist zu wenig,

es reicht nicht für ein Geschenk.

Du aber machst mich so reich.

Ich fühl mich geborgen bei Dir.

Was kann ich Dir geben, Gott?

Zwei närrische Hände voll mit Freude,

wenn mich die Möwen rufen bei Sonnenaufgang,

ein Lied aus meiner Feder, singend über das Meer,

oder die Zärtlichkeit, mit der ich Deine Schöpfung bestaune,

einen Augenaufschlag Glück?

Was kann ich Dir geben?

Dankbarkeit, Glaube, die Hartnäckigkeit meines Bemühens,

meinen langen Weg zu Dir.

Vater, was könnte ich Dir geben,

was nicht schon Dir gehörte,

aber schau, auch in den leichtlebenden Jahren,

meine Füße, sie laufen, sie laufen zu Dir.............

 

Rosemarie Egger


 

 

 

 

 


Bischof Dr. Gebhard Fürst: Hirtenbrief zur österlichen Bußzeit 2014

 

Wo der Gottesgeist lebt und wirkt, der das Lebenswerk Jesu hervorgebracht hat und der vom Lebenswerk Jesu ausgeht, wo dieser Geist Jesu Christi in der Kirche lebt und wirkt, da erneuert sich Kirche, da lässt sie sich verwandeln, da wird aus der erschütterten Kirche die neue, geistreiche, lebendige, Verletzungen heilende und glaubhaft handelnde Kirche entstehen.

Erneuerung der Kirche aus dem Geist Jesu Christi

 

„Die Kirche hat keinen anderen Zweck,
als Zeugnis von Jesus Christus zu geben.
Vergessen wir das nicht!“
(Papst Franziskus via Twitter)

Liebe Schwestern und Brüder!

Zu Beginn der Fastenzeit grüße ich Sie wieder sehr herzlich!

Ich danke Ihnen für Ihr Glaubenszeugnis und Ihre Teilnahme am Leben unserer Kirche. Durch die gemeinsame Feier der Eucharistie werden wir gestärkt und wieder mit Hoffnung erfüllt. Und das brauchen wir in diesen unseren Tagen besonders. Denn die Jahre seit 2010 sind für die katholische Kirche in Deutschland alles andere als einfache Zeiten. Wir wurden Zeugen erschütternder Ergeignisse. Wir erkennen schmerzlich, dass unsere Kirche nur durch mutige Erneuerung wieder zur Glaubwürdigkeit finden kann. Aus der erschütterten Kirche muss eine erneuerte Kirche Jesu Christi hervorgehen. Wie kann das geschehen?

Die Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und dem Osterfest lädt uns ein, innezuhalten und uns auf Schritte der Erneuerung zu besinnen – im eigenen Leben genauso, wie im Leben unserer Ortskirche Rottenburg-Stuttgart.

Viele, liebe Schwestern und Brüder, fragen: Wie kommen wir neu in Bewegung? Geschieht dies durch neue Konzepte – oder durch neue pastorale Strukturen? Da muss gewiss einiges geschehen. Und wir sind auch schon auf einem guten Weg! Diese äußere Erneuerung, an der wir bauen, kann aber nur gelingen, wenn sie von einer inneren Erneuerung, von einer Erneuerung an „Geist und Sinn“[1], getragen wird. Die kirchliche Erneuerung ist zuallererst eine geistliche Erneuerung. Begeben wir uns auf diesen geistlichen Pilgerweg!

Der Geist, der die Kirche von innen heraus verwandeln und erneuern kann, ist kein anderer Geist, als der Geist, der von Jesus von Nazareth ausgeht. Auf diesen Geist, der sich im Lebenswerk Jesu auswirkt, wollen wir uns jetzt und in den vor uns liegenden Tagen der österlichen Bußzeit besonders besinnen! Auf seine Eingebung, auf seine Inspiration wollen wir hören. Auf Jesus Christus wollen wir schauen.

Jesus von Nazareth, das ist eine Gestalt, die uns beeindruckt, ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Körper und Geist. Die Evangelien des Neuen Testaments stellen uns Jesus Christus vor. Er hat durch sein Leben und Wirken Geschichten von Gott erzählt. Jesus war den Menschen nahe. Er hatte Worte für die Menschen, die aufgerichtet, gestärkt und lebendig gemacht haben. So hat er heilsam gewirkt: In Angst Gefangene hat er ermutigt; von Verzweiflung Niedergedrückten hat er wieder Zuversicht und Hoffnung geschenkt! Von Jesus ging ein Leben schaffender Geist aus, eine erneuernde Kraft, die die Menschen spüren konnten und von der sie erfüllt wurden. In vielen Geschichten des Lebens Jesu, in seinen Worten und Taten können wir diesen kraftvollen, sein Leben und Handeln durchdringenden Geist auch heute anschauen und erfahren.

In den Evangelien interpretiert Jesus selbst seine Sendung. „Ich bin gekommen“, sagt er über sich, „um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“[2] Der Sinn seines Lebens sei es, unter den Menschen zu sein, „um zu dienen und sein Leben hinzugeben“[3]. An einer anderen Stelle sagt er: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.“[4] In Jesus von Nazareth lebt ein Geist, der in diesen Worten den Sinn seines Lebens ausspricht. Jesus redet nicht nur von diesem Geist, sondern er lebt und wirkt aus diesem, ihn erfüllenden Geist. Dieser Geist und Sinn ergreift bei der Taufe Jesu am Jordan von ihm Besitz. „Während Jesus betete“, heißt es, „öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam auf ihn herab“[5].

In der Wirkung des Geistes Jesu auf die Menschen erleben und spüren wir die Wirkung des Gottesgeistes für die Menschen. An der Gestalt Jesu, an seinem Leben für uns, an seinem Dienst an uns, an seiner Liebe zu uns, können wir anschauen und erfahren, wie der Gottesgeist wirkt: Er heilt, befreit, er rettet und erlöst! Lassen wir uns, liebe Schwestern und Brüder, von diesem Geist anrühren und das Herz verwandeln. Handeln wir in diesem Sinn auf der Pilgerreise der Erneuerung unserer Kirche.

Lukas erzählt in seinem Evangelium, Jesus sei „erfüllt von der Kraft des Geistes“ durch das Land gegangen und die Kunde von ihm habe sich in der ganzen Gegend verbreitet.[6] Es ist die Kunde von den heilsamen Worten Jesu, von den wunderbaren Taten an den Menschen, die Kunde von Leben rettenden Begegnungen mit vielen „Verlorenen“, die so wieder zu sich, zu Gott und zum Leben gefunden haben. Liebe Schwestern und Brüder, lassen wir uns selbst von diesem Geist ergreifen und erfüllen!

Jesus weiß sich von Gott gesandt: „Er hat mich gesandt“, ruft er den Menschen zu, „damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“[7] Lassen wir uns zu den Menschen senden, zu denen sich Jesus hat senden lassen.

Liebe Schwestern und Brüder, wer und wo sind diese geistlich und materiell Armen heute? Wer und wo sind diese von ihrem Besitz, ihren fixen Ideen und heillosen Süchten Gefangenen? Wo sind die Blinden, die nicht mehr sehen, wohin die eigene Reise geht? Und wer sind die mit zerschlagenen Herzen und zerrissenen Seelen? Wo und wer sind diese Verlorenen aller Art, die sich danach sehnen, entdeckt, gerettet und geheilt zu werden?

Sie zu suchen und sie zu finden und ihnen die frohe Botschaft Jesu Christi zu bezeugen und zu vermitteln, dazu sind wir Christen aufgerufen.

Wo der Gottesgeist lebt und wirkt, der das Lebenswerk Jesu hervorgebracht hat und der vom Lebenswerk Jesu ausgeht, wo dieser Geist Jesu Christi in der Kirche lebt und wirkt, da erneuert sich Kirche, da lässt sie sich verwandeln, da wird aus der erschütterten Kirche die neue, geistreiche, lebendige, Verletzungen heilende und glaubhaft handelnde Kirche entstehen. Da wird eine Gemeinschaft der Glaubenden neu geboren, die den Menschen zu ihrem Heil dient und zum Gelingen ihres Lebens beiträgt.

Liebe Schwestern und Brüder!
Es ist meine Vision von der Zukunft der Kirche, dass uns diese geistliche Erneuerung in unseren Kirchengemeinden, in den Seelsorgeeinheiten und christlichen Einrichtungen und bei all unseren Aktivitäten gelingen möge. Begeben wir uns alle auf diese Pilgerreise der geistlichen Erneuerung und Umformung unserer Kirche zur Kirche im Geist Jesu Christi. Alle, die getauft sind auf Christi Geist und Sinn, werden hierzu gebraucht. Wir alle in den unterschiedlichen Verantwortlichkeiten, den Aufgaben und den Charismen, in den Diensten und Ämtern ebenso wie in den Ehrenämtern sind Werkzeuge des Gottes-Geistes.

Lassen Sie uns die ganze Kirche, die christlichen Gemeinden und Einrichtungen als Orte verstehen, in denen der Geist und Sinn Jesu Christi erlebt werden kann. Die Kirche so zu gestalten, steht mir als Vision vor Augen. Lassen Sie uns gemeinsam diese Vision einer lebendigen Kirche aus dem Geist Jesu Christi verwirklichen!

Machen wir uns auf den geistlichen Pilgerweg, der uns dorthin führt. So können wir in unserem Leben, im Zusammenleben und gemeinsamen Handeln als Christen in der Kirche und für die Menschen Zeugnis geben von Jesus Christus, von seinem Geist und Sinn!

Liebe Schwestern und Brüder! Die Zeit des Fastens und der Besinnung auf dem Weg zum Osterfest wird uns helfen, diese Pilgerreise der Erneuerung zu beginnen.

Dafür bitte ich Ihnen und uns allen den reichen Segen Gottes!

Rottenburg,
am Fest der Darstellung des Herrn,
2. Februar 2014

Ihr Bischof
Dr. Gebhard Fürst

[1] Eph 4,23
[2] vgl. Lk 19,10
[3] Mt 20,28
[4] Mt 9,12f.
[5] Lk 3,21f.
[6] vgl. Lk 4,14f.
[7] Lk 4,18